Otto Scherzer: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Otto Scherzer''' (* [[9. März]] [[1909]] in [[Passau]]; † [[15. November]] [[1982]] in [[Darmstadt]]) war ein deutscher [[Theoretische Physik|theoretischer Physiker]].
'''Otto Scherzer''' ist der Name folgender Personen:


== Leben ==
<onlyinclude>* [[Otto Scherzer (Organist)]] (1821–1886), deutscher Musiker, Komponist und Musikpädagoge
[[Datei:Hilsch Scherzer Hückel 1935 Stuttgart.jpg|mini|Oben [[Rudolf Hilsch]] und Otto Scherzer, vorn [[Erich Hückel]], 1935 in Stuttgart]]
* [[Otto Scherzer (Physiker)]] (1909–1982), deutscher Physiker</onlyinclude>
Otto Scherzer wurde 1909 als Sohn des Oberpostmeisters Konrad Scherzer und seiner Ehefrau Josephine geb. Fischer in Passau geboren. Von 1915 bis 1919 besuchte er die Volksschule in Passau, anschließend die Oberrealschule Passau und [[Allgäu-Gymnasium Kempten|Oberrealschule Kempten]], wo er 1927 das Abitur machte. Scherzer studierte ab Herbst 1927 Physik an der [[Technische Universität München|TH München]] und ab Herbst 1929 für vier Semester an der [[Ludwig-Maximilians-Universität]] (LMU) in [[München]]. An der LMU war [[Arnold Sommerfeld]] sein Doktorvater; er promovierte dort am 16. Dezember 1931 mit Summa cum laude. Seine Dissertation beschäftigte sich mit der [[Quantenmechanik|Quantentheorie]] der [[Bremsstrahlung]].<ref>Mathematics Genealogy Project: [http://genealogy.math.ndsu.nodak.edu/html/id.phtml?id=53290 Otto Scherzer –  Dr. phil. Ludwig-Maximilians-Universität München, 1931. Dissertation: ''Über die Ausstrahlung bei der Bremsung von Protonen und schnellen Elektronen'']</ref><ref>Sommerfeld Project: [http://www.lrz-muenchen.de/~Sommerfeld/KurzFass/06013.html Arnold Sommerfeld an München, U, 27. November 1931]</ref> Von Dezember 1930 bis März 1932 war er Hilfskraft am Institut für Theoretische Physik. Vom 1. April 1932 bis 31. Dezember 1935 war Scherzer am [[AEG]]- Forschungsinstitut Assistent [[Carl Ramsauer]]s. Dort beschäftigte er sich mit [[Elektronenoptik]] <ref>[[Klaus Hentschel]], 1966, Appendix F, p. XLV and Appendix D, p. XII.</ref>. Er schloss seine [[Habilitation]] im November 1934 ab und wurde [[Privatdozent]] und Assistent Sommerfelds an der LMU<ref>American Philosophical Society: [http://www.amphilsoc.org/guides/ahqp/bios.htm Sommerfeld-Biografie]</ref><ref>Kirkpatrick, Paul; ''Address of Recommendation by Professor Paul Kirkpatrick, Chairman of the Committee on Awards.'' In: ''American Journal of Physics.'' 17, 5, 1949, S. 312–314. In diesem Artikel werden folgende Studenten Sommerfelds genannt: [[William Houstoun (Arzt)|William Houstoun]], [[Karl Bechert]], Otto Scherzer, [[Otto Laporte]], [[Linus Carl Pauling|Linus Pauling]], [[Carl Eckart]], [[Gregor Wentzel]], [[Peter Debye]], and [[Philip Morse]].</ref>


Im Sommersemester 1935 ging Scherzer an die [[Technische Universität Darmstadt|TH Darmstadt]] und vertrat dort die Professur für theoretische Physik, die bis zu seiner Vertreibung von [[Hans Baerwald (Physiker)|Hans Baerwald]] besetzt war. Dort wurde er am 30. April 1936 ordentlicher Professor und Leiter des Instituts für Theoretische Physik.<ref>Klaus Hentschel, 1966, Appendix F, p. XLV.</ref>
{{Begriffsklärung}}
 
In einer 1936 veröffentlichten Arbeit bewies Scherzer, dass die [[Abbildungsfehler]] einer rotationssymmetrischen statischen und [[raumladung]]sfreien <!--dioptric--> [[Linse (Optik)|Linse]] für [[Elektronenstrahl]]en nicht wie bei optischen Linsen durch das richtige Design der Linse eliminiert werden können.<ref>Scherzer, Otto: ''Über einige Fehler von Elektronenlinsen'', ''Zeitschrift für Physik'' Volume 101, Nummer 9–10, S. 593–603 (1936) zitiert in [http://www.biolcell.org/boc/093/0432/boc0930432.pdf Peter Hawks] (PDF; 222&nbsp;kB) –  The Long Road to Spherical Aberration Correction.</ref> 1947 veröffentlichte Otto Scherzer einen weiteren Beitrag dazu, in der er verschiedene Möglichkeiten der Korrektur von elektronenoptischen Linsen vorstellte.<ref>Scherzer, Otto: ''Sphärische und chromatische Korrektur von Elektronenlinsen'', ''Optik 2'' 114–132 (1947), zitiert in {{Webarchiv|wayback=20050124225412|url=http://www.ensmp.fr/aflb/AFLB-295/aflb295m199.pdf|text=Peter Hawks – Recent Advances in Electron Optics and Electron Microscopy}} (pdf) und in [http://www.biolcell.org/boc/093/0432/boc0930432.pdf Peter Hawks] (PDF; 222&nbsp;kB) –  The Long Road to Spherical Aberration Correction.</ref> Scherzers Arbeiten lieferten wichtige Grundlagen zur Entwicklung von [[Elektronenmikroskop]]en.
 
Scherzer wurde am 1. Oktober 1933 Mitglied der [[Sturmabteilung|SA]]. Nach Aufhebung des Mitgliederstopps trat er am 1. Mai 1937 auch der [[NSDAP]] bei. Zudem war er auch Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbundes (NSDDB).
 
Vom 5. September 1939 bis Ende April 1945 arbeitete Scherzer am [[Radar]] beim Nachrichtenmittel-Versuchskommando der Kriegsmarine.<ref>Klaus Hentschel, 1966, Appendix F, p. XLV.</ref> Sein letzter Dienstrang war Marine Oberbaurat der Reserve. In einem Briefwechsel mit Sommerfeld vom 2. Dezember 1944 berichtete er von Kriegsschäden in [[Darmstadt]] und beschrieb seine Arbeit am Radar. <ref>Sommerfeld Project: [http://www.lrz-muenchen.de/~Sommerfeld/KurzFass/05073.html Otto Scherzer an Arnold Sommerfeld, 2. Dezember 1944]</ref> Vom 1. Juli 1944 bis 30. April 1945 war Scherzer Chef des Arbeitsbereichs Funkmesstechnik im [[Reichsforschungsrat]] <ref>Der Reichsforschungsrat wurde im März 1937 von [[Bernhard Rust]], Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, gegründet</ref><ref>Klaus Hentschel, 1966, Appendix B, p. VII und Appendix F, p. XLIV.</ref>, der die Grundlagen- und angewandte Forschung zentral im Reichsziehungsministerium plante.<ref>Klaus Hentschel, 1966, Appendix F, p. XLV, Appendix B, pp. V-VII.</ref>
 
Am 1. Mai 1945 geriet Scherzer in amerikanische Gefangenschaft, die bis zum 30. April 1946 andauerte. Da er als Professor seit Oktober 1945 entlassen war und zunächst diese Funktion nicht wieder antreten konnte, arbeitete er von August 1946 bis April 1947 als wissenschaftlicher Berater bei den Süddeutschen Laboratorien in [[Mosbach]]. Dieses Institut, das von seinem Freund [[Ernst Brüche]] geleitet wurde, arbeitete an der Entwicklung und Herstellung von [[Elektronenmikroskop]]en. Anschließend ging er an das Nachrichtenmittel-Laboratorium der amerikanischen Armee in Fort Monmouth, N.J.
 
Otto Scherzer wurde in einem ersten Entnazifizierungsverfahren von der Spruchkammer Darmstadt im Oktober 1946 als "Mitläufer" eingestuft und mit einer Geldsühne von 1.500 Reichsmark belegt. Gegen diese Einstufung ging er vor und wurde in einem zweiten Verfahren von der Spruchkammer Frankfurt im Juni 1947 als entlastet eingestuft. Danach konnte seine Wiedereinstellung als Professor erfolgen, so dass er mit Wirkung vom 1. Januar 1949 als außerordentlicher Professor für Theoretische Physik an die TH Darmstadt berufen wurde. Im Zusammenhang mit einem Ruf nach Köln im Jahre 1952, wurde die Stelle zum 1. Oktober 1954 in eine ordentliche Professor umgewidmet. Scherzer gründete die [[Gesellschaft für Schwerionenforschung]] in den 1960er Jahren mit.<ref>Klaus Hentschel, 1966, Appendix F, p. XLV.</ref> Scherzer leitete an der TH Darmstadt die Gruppe Elektronenoptik im Institut für Angewandte Physik. Ziel der elektronenoptischen Versuche war der Bau und die Erprobung eines sphärisch und chromatisch korrigierten Elektronenmikroskops, das die Abbildung der Atome in Moleküle und Kristallen gestattet. (Scherzer 1977, S. 185)
 
Otto Scherzer wurde zum 31. März 1977 entpflichtet. Die Professorenstelle wurde an der TH Darmstadt nicht nachbesetzt. Seine Arbeiten wurden jedoch von seinem Schüler [[Harald Rose (Physiker)|Harald Rose]] erfolgreich weitergeführt.
 
Scherzer war seit Februar 1934 mit Elisabeth Sindel verheiratet. Aus der Ehe sind vier Töchter hervorgegangen.
 
== Auszeichnungen ==
* 1983: Microscopy Society of America: Distinguished Scientist Award, Physical Sciences <ref>Microscopy Society of America: [http://www.microscopy.org/Docs/MSAAwardReceipents.html MSA Distinguished Scientist Award]</ref>
 
== Schriften ==
*mit E. Brüche: ''Geometrische Elektronenoptik: Grundlagen und Anwendungen.'' Springer, 1934.
*''Über einige Fehler von Elektronenlinsen.'' In: ''Zeitschrift für Physik.'' Volume 101, Nummer 9–10, 1936, S. 593–603.
*''Sphärische und chromatische Korrektur von Elektronenlinsen.'' In: ''Optik 2.'' 1947, S. 114–132.
*''The Theoretical Resolution Limit of the Electron Microscope.'' In: ''Journal of Applied Physics.'' Volume 20, Issue 1, 1948, S. 20–29.
*''Eine anschauliche Ableitung der Lorentz-Transformation.'' In: ''Physik. Bl.'' 4 (1948), S. 53–56.
*''Anschauliches zum Zwillings-Paradoxon.'' In: ''Physik. Bl.'' 16 (1960), S. 149–153.
*''Physik im totalitären Staat.'' In: [[Andreas Flitner]] (Hg.), ''Deutsches Geistesleben im Nationalsozialismus'', Tübingen 1965, S. 47–58.
*''Proceedings ICEM-9.'' Volume 3, 1978, S. 123–129.
 
== Literatur ==
* Friedrich Beck und Harald Rose: Zum Tode von Professor Otto Scherzer, in: TH Darmstadt intern, Nr. 12/1982, S. 1.
* Friedrich Beck: Otto Scherzer: Wegbereiter der Elektronenoptik, in: Physikalische Blätter, 39. Jg., 1983, Nr. 2., S. 50.
*[[Klaus Hentschel]] (Hrsg.) und Ann M. Hentschel (Hrsg. und Übersetzung): ''Physics and National Socialism: An Anthology of Primary Sources.'' Birkhäuser, 1996.
* Otto Scherzer: Physik in Darmstadt, in: 100 Jahre Technische Hochschule Darmstadt 1976/77, Darmstadt 1977, S. 181–192.
 
== Quellen ==
<references/>
 
{{Normdaten|TYP=p|GND=142268593|VIAF=130948615}}
 
{{SORTIERUNG:Scherzer, Otto}}
[[Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert)]]
[[Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Darmstadt)]]
[[Kategorie:Hochschullehrer (Ludwig-Maximilians-Universität München)]]
[[Kategorie:Person (Passau)]]
[[Kategorie:Deutscher]]
[[Kategorie:Geboren 1909]]
[[Kategorie:Gestorben 1982]]
[[Kategorie:Mann]]
 
{{Personendaten
|NAME=Scherzer, Otto
|ALTERNATIVNAMEN=
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher Physiker
|GEBURTSDATUM=9. März 1909
|GEBURTSORT=[[Passau]]
|STERBEDATUM=15. November 1982
|STERBEORT=[[Darmstadt]]
}}

Aktuelle Version vom 30. Oktober 2021, 18:01 Uhr

Otto Scherzer ist der Name folgender Personen:

  • Otto Scherzer (Organist) (1821–1886), deutscher Musiker, Komponist und Musikpädagoge
  • Otto Scherzer (Physiker) (1909–1982), deutscher Physiker
Dies ist eine Begriffsklärungsseite zur Unterscheidung mehrerer mit demselben Wort bezeichneter Begriffe.

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