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Die '''ebenen kristallographischen Gruppen''' oder '''Ornamentgruppen''' sind die [[Symmetriegruppe]]n von periodischen Mustern oder [[Parkettierung]]en der [[Euklidische Ebene|euklidischen Ebene]]. Es gibt, bis auf affine Äquivalenz, genau 17 solche Gruppen. Ihnen entsprechen im dreidimensionalen Raum die 230 kristallographischen [[Raumgruppe]]n. | Die '''ebenen kristallographischen Gruppen''', auch '''Wandmustergruppen''' oder '''Ornamentgruppen''' genannt, sind die [[Symmetriegruppe]]n von periodischen Mustern oder [[Parkettierung]]en der [[Euklidische Ebene|euklidischen Ebene]]. Es gibt, bis auf affine Äquivalenz, genau 17 solche Gruppen. Ihnen entsprechen im dreidimensionalen Raum die 230 kristallographischen [[Raumgruppe]]n. | ||
Im Sinne der [[Gruppentheorie]] bestehen die [[Gruppe (Mathematik)|Gruppen]] aus der [[Menge (Mathematik)|Menge]] aller [[Kongruenzabbildung]]en, die das Muster auf sich selbst abbilden, zusammen mit der [[Komposition (Mathematik)|Komposition]] von [[Funktion (Mathematik)|Abbildungen]] als [[Gruppenoperation]]. | Im Sinne der [[Gruppentheorie]] bestehen die [[Gruppe (Mathematik)|Gruppen]] aus der [[Menge (Mathematik)|Menge]] aller [[Kongruenzabbildung]]en, die das Muster auf sich selbst abbilden, zusammen mit der [[Komposition (Mathematik)|Komposition]] von [[Funktion (Mathematik)|Abbildungen]] als [[Gruppenoperation]]. | ||
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Eine 4-zählige Rotationssymmetrie impliziert natürlich eine 2-zählige, genauso wie eine 6-zählige sowohl eine 3-zählige als auch eine 2-zählige impliziert. Es wird normalerweise für jedes Rotationszentrum jeweils nur der höchste Wert angegeben. | Eine 4-zählige Rotationssymmetrie impliziert natürlich eine 2-zählige, genauso wie eine 6-zählige sowohl eine 3-zählige als auch eine 2-zählige impliziert. Es wird normalerweise für jedes Rotationszentrum jeweils nur der höchste Wert angegeben. | ||
Jedes periodische Muster kann erzeugt werden, indem auf eine [[Beschränktheit| | Jedes periodische Muster kann erzeugt werden, indem auf eine [[Beschränktheit|beschränkte]] Elementarzelle diese Operationen immer wieder angewandt werden, bis die gesamte Ebene parkettiert ist. Per Definition enthält die Symmetriegruppe eines periodischen Musters immer zwei [[Lineare Unabhängigkeit|linear unabhängige]] Translationen. Dadurch ist es auch möglich, allein durch wiederholte Verschiebung einer translativen Zelle das gesamte Muster zu erzeugen. Die translative Zelle enthält dabei eine oder mehrere Kopien der elementaren Zelle. | ||
== Notation == | == Notation == | ||
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Die in den Strukturdiagrammen angegebenen Elemente sind wie folgt gekennzeichnet: | Die in den Strukturdiagrammen angegebenen Elemente sind wie folgt gekennzeichnet: | ||
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| Zentrum einer zweizähligen Rotation (180°). | | Zentrum einer zweizähligen Rotation (180°). | ||
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| Zentrum einer dreizähligen Rotation (120°). | | Zentrum einer dreizähligen Rotation (120°). | ||
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| Zentrum einer vierzähligen Rotation (90°). | | Zentrum einer vierzähligen Rotation (90°). | ||
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| Zentrum einer sechszähligen Rotation (60°). | | Zentrum einer sechszähligen Rotation (60°). | ||
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| Spiegelachse. | | Spiegelachse. | ||
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| Gleitspiegelachse. | | Gleitspiegelachse. | ||
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== Ornamentgruppen in der Kunst == | == Ornamentgruppen in der Kunst == | ||
Bei zweifach periodischen Mustern aus dem [[Altes Ägypten|Alten Ägypten]] wurden 12 der 17 Ornamentgruppen nachgewiesen; es fehlen die 5 Gruppen mit 3- bzw. 6-facher Rotationssymmetrie.<ref>Branko Grünbaum: ''The Emperor's New Clothes: Full Regalia, G string, or Nothing?'' In: ''The Mathematical Intelligencer.'' | Bei zweifach periodischen Mustern aus dem [[Altes Ägypten|Alten Ägypten]] wurden 12 der 17 Ornamentgruppen nachgewiesen; es fehlen die 5 Gruppen mit 3- bzw. 6-facher Rotationssymmetrie.<ref>Branko Grünbaum: ''The Emperor's New Clothes: Full Regalia, G string, or Nothing?'' In: ''The Mathematical Intelligencer.'' Band 6, Nr. 4, 1984, S. 47–53, [[doi:10.1007/BF03026738]].</ref> Die [[Arabeske]]n in der [[Alhambra]] gelten als hervorragendes Beispiel der Verwendung von zweifach periodischen Mustern in der [[Islamische Kunst|islamischen Kunst]]. Ob alle 17 Ornamentgruppen in der Alhambra vorkommen oder nicht, ist umstritten: [[Edith Alice Müller|Edith Müller]]<ref>Edith Müller: ''Gruppentheoretische und strukturanalytische Untersuchungen der maurischen Ornamente aus der Alhambra in Granada.'' Baublatt, Rüschlikon 1944 (Zugleich: Zürich, Universität, Dissertation, 1944).</ref> und [[Branko Grünbaum]]<ref>Branko Grünbaum: ''What Symmetry Groups Are Present in the Alhambra?'' In: ''Notices of the American Mathematical Society.'' Band 53, Nr. 6, 2006, {{ISSN|0002-9920}}, S. 670–673, [http://www.ams.org/notices/200606/comm-grunbaum.pdf Digitalisat (PDF; 1,97 MB)].</ref> sagen nein, José María Montesinos<ref>José M. Montesinos: ''Classical Tesselations and Three-Manifolds.'' Springer, Berlin u. a. 1987, ISBN 3-540-15291-1.</ref> und [[Marcus du Sautoy]]<ref>[[Marcus du Sautoy]]: ''Finding Moonshine. A Mathematician's Journey through Symmetry.'' Fourth Estate, London 2008, ISBN 978-0-00-721461-7, Kapitel 3.</ref> sagen ja. Bis auf möglicherweise pm, p3 und pg wurden alle Ornamentgruppen in [[Chinesische Kunst|China]] verwendet.<ref>[[Doris Schattschneider]]: ''The Plane Symmetry Groups: Their Recognition and Notation.'' In: ''The American Mathematical Monthly.'' Band 85, Nr. 6, 1978, S. 439–450, [[doi:10.2307/2320063]].</ref> | ||
== Siehe auch == | == Siehe auch == | ||
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* [[Branko Grünbaum]], Geoffrey C. Shephard: ''Tilings and Patterns.'' Freeman, New York NY 1987, ISBN 0-7167-1193-1. | * [[Branko Grünbaum]], Geoffrey C. Shephard: ''Tilings and Patterns.'' Freeman, New York NY 1987, ISBN 0-7167-1193-1. | ||
* Michael Klemm: ''Symmetrien von Ornamenten und Kristallen.'' Springer, Berlin u. a. 1982, ISBN 3-540-11644-3. | * Michael Klemm: ''Symmetrien von Ornamenten und Kristallen.'' Springer, Berlin u. a. 1982, ISBN 3-540-11644-3. | ||
* {{Literatur|Autor=Klaus Lamotke|Titel=Die Symmetriegruppen der ebenen Ornamente|Sammelwerk=Mathematische Semesterberichte|Band= | * {{Literatur |Autor=Klaus Lamotke |Titel=Die Symmetriegruppen der ebenen Ornamente |Sammelwerk=Mathematische Semesterberichte |Band=52 |Nummer=2 |Datum=2005-08 |Seiten=153–174 |DOI=10.1007/s00591-005-0092-y}} | ||
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == |
Die ebenen kristallographischen Gruppen, auch Wandmustergruppen oder Ornamentgruppen genannt, sind die Symmetriegruppen von periodischen Mustern oder Parkettierungen der euklidischen Ebene. Es gibt, bis auf affine Äquivalenz, genau 17 solche Gruppen. Ihnen entsprechen im dreidimensionalen Raum die 230 kristallographischen Raumgruppen.
Im Sinne der Gruppentheorie bestehen die Gruppen aus der Menge aller Kongruenzabbildungen, die das Muster auf sich selbst abbilden, zusammen mit der Komposition von Abbildungen als Gruppenoperation.
Ein periodisches Muster kann Kombinationen der folgenden elementaren Symmetrieelemente aufweisen:
Andere Drehungen als die aufgezählten sind unmöglich. Das liegt daran, dass (abgesehen von der zweizähligen Drehung) zu jeder Symmetriegruppe eine periodische Parkettierung der Ebene mit regelmäßigen Vielecken entsprechender Zähligkeiten gehört. Und eine Parkettierung mit beispielsweise Fünfecken ist unmöglich, weil aufgrund der Innenwinkelsumme sich ein Innenwinkel von 108° ergibt, so dass eine derartige Parkettierung an den Ecken nicht aufgehen würde. In nichteuklidischen Geometrien hingegen sind auch Symmetriegruppen mit anderen Zähligkeiten möglich.
Eine 4-zählige Rotationssymmetrie impliziert natürlich eine 2-zählige, genauso wie eine 6-zählige sowohl eine 3-zählige als auch eine 2-zählige impliziert. Es wird normalerweise für jedes Rotationszentrum jeweils nur der höchste Wert angegeben.
Jedes periodische Muster kann erzeugt werden, indem auf eine beschränkte Elementarzelle diese Operationen immer wieder angewandt werden, bis die gesamte Ebene parkettiert ist. Per Definition enthält die Symmetriegruppe eines periodischen Musters immer zwei linear unabhängige Translationen. Dadurch ist es auch möglich, allein durch wiederholte Verschiebung einer translativen Zelle das gesamte Muster zu erzeugen. Die translative Zelle enthält dabei eine oder mehrere Kopien der elementaren Zelle.
Die Eigenschaften einer Symmetriegruppe können auch durch die sogenannte Orbifold-Notation beschrieben werden.
Gruppe | Orbifold-Notation | Translationszelle (z. B.) | Elementarzellen in minimaler Translationszelle |
---|---|---|---|
p1 | ∘1 | Parallelogramm | 1 |
p2 | 2222 | Parallelogramm | 2 |
pm | ** | Rechteck | 2 |
pg | ×× | Rechteck | 2 |
cm | ∗× | Raute | 2 |
pmm | ∗2222 | Rechteck | 4 Rechtecke |
pmg | 22∗ | Rechteck | 4 |
pgg | 22× | Rechteck | 4 |
cmm | 2∗22 | Raute | 4 |
p4 | 442 | Quadrat | 4 |
p4m | ∗442 | Quadrat | 8 rechtwinklig gleichschenklige Dreiecke |
p4g | 4∗2 | Quadrat | 8 |
p3 | 333 | Raute aus zwei gleichseitigen Dreiecken | 3 |
p3m1 | ∗333 | Raute aus zwei gleichseitigen Dreiecken | 6 gleichseitige Dreiecke |
p31m | 3∗3 | Raute aus zwei gleichseitigen Dreiecken | 6 |
p6 | 632 | Raute aus zwei gleichseitigen Dreiecken | 6 |
p6m | ∗632 | Raute aus zwei gleichseitigen Dreiecken | 12 rechtwinklige Dreiecke mit einem Kathetenverhältnis von 2:1 |
Die in den Strukturdiagrammen angegebenen Elemente sind wie folgt gekennzeichnet:
Dabei sind unterschiedliche Äquivalenzklassen der Elemente durch unterschiedliche Farben und Drehungen gekennzeichnet.
Die gelb markierten Fläche kennzeichnet eine Elementarzelle, der gesamte abgebildete Bereich eine translative Zelle.
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
– | – | – | – | – | – |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
4 | – | – | – | – | – |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
– | – | – | – | 2 | – |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
– | – | – | – | – | 2 |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
– | – | – | – | 1 | 1 |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
4 | – | – | – | 4 | – |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
2 | – | – | – | 1 | 2 |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
2 | – | – | – | – | 2 |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
3 | – | – | – | 2 | 2 |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
1 | – | 2 | – | – | – |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
1 | – | 2 | – | 3 | 1 |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
1 | – | 1 | – | 1 | 2 |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
– | 3 | – | – | – | – |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
– | 3 | – | – | 1 | 1 |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
– | 2 | – | – | 1 | 1 |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
1 | 1 | – | 1 | – | – |
Rotationen | Achsen | ||||
---|---|---|---|---|---|
2 | 3 | 4 | 6 | Spiegel- | Gleitspiegel- |
1 | 1 | – | 1 | 2 | 2 |
Bei zweifach periodischen Mustern aus dem Alten Ägypten wurden 12 der 17 Ornamentgruppen nachgewiesen; es fehlen die 5 Gruppen mit 3- bzw. 6-facher Rotationssymmetrie.[1] Die Arabesken in der Alhambra gelten als hervorragendes Beispiel der Verwendung von zweifach periodischen Mustern in der islamischen Kunst. Ob alle 17 Ornamentgruppen in der Alhambra vorkommen oder nicht, ist umstritten: Edith Müller[2] und Branko Grünbaum[3] sagen nein, José María Montesinos[4] und Marcus du Sautoy[5] sagen ja. Bis auf möglicherweise pm, p3 und pg wurden alle Ornamentgruppen in China verwendet.[6]