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[[Datei:Dipole Water.svg|mini|Wasser-Molekül als permanenter elektrischer Dipol<br />rot: negative Teilladung<br />blau: positive Teilladung<br />grün: gerichteter Dipol]] | [[Datei:Dipole Water.svg|mini|Wasser-Molekül als permanenter elektrischer Dipol<br />rot: negative Teilladung<br />blau: positive Teilladung<br />grün: gerichteter Dipol]] | ||
[[Datei:Permittivität Wasser. | [[Datei:Permittivität Wasser-de.svg|mini|Die [[Permittivität]] von Wasser (20 °C) ist frequenzabhängig.<br />Der rot gezeichnete Imaginärteil ist ausschlaggebend für die Energieabsorption durch Umklappen der Dipole.]] | ||
Als '''Orientierungspolarisation''' bezeichnet man diejenige [[Polarisation (Elektrizität)|Polarisation]], die durch die Ausrichtung (Orientierung) ''permanenter'' [[Elektrisches Dipolmoment|elektrischer Dipole]], z. B. Wasser, in einem [[Elektrisches Feld|elektrischen Feld]] bewirkt wird. Gegen diese Ausrichtung der Dipole wirkt ihre [[thermische Bewegung]]. Die Orientierungspolarisation hängt daher von der Temperatur ab (je höher die Temperatur, desto niedriger die Orientierungspolarisation), was durch die [[Debye-Gleichung]] beschrieben wird. | Als '''Orientierungspolarisation''' bezeichnet man diejenige [[Polarisation (Elektrizität)|Polarisation]], die durch die Ausrichtung (Orientierung) ''permanenter'' [[Elektrisches Dipolmoment|elektrischer Dipole]], z. B. Wasser, in einem [[Elektrisches Feld|elektrischen Feld]] bewirkt wird. Gegen diese Ausrichtung der Dipole wirkt ihre [[thermische Bewegung]]. Die Orientierungspolarisation hängt daher von der Temperatur ab (je höher die Temperatur, desto niedriger die Orientierungspolarisation), was durch die [[Debye-Gleichung]] beschrieben wird. | ||
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Permanente Dipolmomente sind im Allgemeinen viel größer (etwa um den Faktor 10<sup>3</sup>) als induzierte Dipolmomente, die durch das elektrische Feld erst erzeugt werden ([[Verschiebungspolarisation]]). | Permanente Dipolmomente sind im Allgemeinen viel größer (etwa um den Faktor 10<sup>3</sup>) als induzierte Dipolmomente, die durch das elektrische Feld erst erzeugt werden ([[Verschiebungspolarisation]]). | ||
Kehrt man die Richtung des elektrischen Feldes um, so müssen sich die [[Dipolmolekül]]e umorientieren bzw. neu ausrichten ([[Relaxation (Naturwissenschaft)|Relaxationsprozess]]). Aufgrund ihrer relativ großen [[Trägheit]] benötigen sie hierfür eine gewisse Zeit (typische Rotationszeit eines Moleküls in Flüssigkeit 10<sup>−9</sup> | Kehrt man die Richtung des elektrischen Feldes um, so müssen sich die [[Dipolmolekül]]e umorientieren bzw. neu ausrichten ([[Relaxation (Naturwissenschaft)|Relaxationsprozess]]). Aufgrund ihrer relativ großen [[Trägheit]] benötigen sie hierfür eine gewisse Zeit (typische Rotationszeit eines Moleküls in Flüssigkeit 10<sup>−9</sup>…10<sup>−11</sup> s), weshalb das [[Absorption (Physik)|Absorptions]]<nowiki />maximum bei etwa 20 [[GHz]] liegt (entspricht einer Periode T = 0,5·10<sup>−10</sup> s, vgl. 2. Abb.). Bei noch höheren [[Frequenz]]en ist keine Orientierungspolarisation mehr zu beobachten, sondern nur noch Verschiebungspolarisation, und die Debye-Gleichung geht in die [[Clausius-Mossotti-Gleichung]] über. | ||
== Herleitung der Temperaturabhängigkeit == | == Herleitung der Temperaturabhängigkeit == |
Als Orientierungspolarisation bezeichnet man diejenige Polarisation, die durch die Ausrichtung (Orientierung) permanenter elektrischer Dipole, z. B. Wasser, in einem elektrischen Feld bewirkt wird. Gegen diese Ausrichtung der Dipole wirkt ihre thermische Bewegung. Die Orientierungspolarisation hängt daher von der Temperatur ab (je höher die Temperatur, desto niedriger die Orientierungspolarisation), was durch die Debye-Gleichung beschrieben wird.
Permanente Dipolmomente sind im Allgemeinen viel größer (etwa um den Faktor 103) als induzierte Dipolmomente, die durch das elektrische Feld erst erzeugt werden (Verschiebungspolarisation).
Kehrt man die Richtung des elektrischen Feldes um, so müssen sich die Dipolmoleküle umorientieren bzw. neu ausrichten (Relaxationsprozess). Aufgrund ihrer relativ großen Trägheit benötigen sie hierfür eine gewisse Zeit (typische Rotationszeit eines Moleküls in Flüssigkeit 10−9…10−11 s), weshalb das Absorptionsmaximum bei etwa 20 GHz liegt (entspricht einer Periode T = 0,5·10−10 s, vgl. 2. Abb.). Bei noch höheren Frequenzen ist keine Orientierungspolarisation mehr zu beobachten, sondern nur noch Verschiebungspolarisation, und die Debye-Gleichung geht in die Clausius-Mossotti-Gleichung über.
Die Wechselwirkungsenergie W eines permanenten elektrischen Dipols mit einem äußeren elektrischen Feld ist:
Der vollständigen Ausrichtung im elektrischen Feld steht die thermische Energie
Für ein konstantes elektrisches Feld in z-Richtung Fehler beim Parsen (MathML mit SVG- oder PNG-Rückgriff (empfohlen für moderne Browser und Barrierefreiheitswerkzeuge): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://wikimedia.org/api/rest_v1/“:): \vec{E}=E\hat{e}_{z} ist das mittlere Dipolmoment in z-Richtung gleich:
Die Summe über alle mittleren Dipolmomente pro Volumen ergibt die makroskopische Polarisation (N ist eine Dichte, nämlich Dipole pro Volumen):
Der in eckigen Klammern stehende Ausdruck ist die Langevin-Funktion. Für große Temperaturen bzw. kleine Feldstärken kann man die Langevin-Funktion entwickeln:
Somit folgt für die makroskopische Polarisation mit
Bei Zimmertemperatur beträgt
Für schwache elektrische Feldstärken ist die Polarisation eine lineare Funktion des elektrischen Feldes
Mit der vorherigen Gleichung erhält man eine temperaturabhängige elektrische Suszeptibilität
Die Orientierungspolarisation ist also proportional zur reziproken Temperatur (Curie-Gesetz). Man beachte, dass dieses Ergebnis nur für Dipole gilt, die frei rotieren können. Bei einem Festkörper ist dies im Allgemeinen nicht gegeben.