Das Trägheitsellipsoid ist eine Veranschaulichung der Trägheitseigenschaft eines starren Körpers bei Drehbewegungen. Der Abstand des Durchstoßpunktes der Drehachse durch das Trägheitsellipsoid vom Ellipsoidzentrum ist ein Maß für das Trägheitsmoment J des Körpers bezüglich dieser Achse, siehe Abb. 2. Neben dem Trägheitsellipsoid sind noch weitere Ellipsoide für die Drehbewegung bedeutsam, siehe Abb. 1:
Trägheits- und Massenellipsoid sind im körperfesten System von eventuell auftretenden Bewegungen unbeeinflusste Eigenschaften eines Körpers allein, sind sich aber ansonsten im Allgemeinen nicht ähnlich. Alle diese Ellipsoide sind mit dem Körper ausgerichtet mit seinen Hauptträgheitsachsen als Symmetrieachsen.
Mit dem Trägheitstensor
eine quadratische Form bezüglich
Das Trägheitsellipsoid spiegelt die Trägheitseigenschaften eines starren Körpers gegenüber Drehungen wider. Die Form des Trägheitsellipsoids ist von der Bewegung des Körpers unabhängig, denn die Längen der Halbachsen lT,i sind bewegungsunabhängig, wie die letzte Gleichung zeigt:
In nicht körperfesten Bezugssystemen sind die Komponenten des Trägheitstensors Θxx, xy, ... bei einer Drehbewegung von der Zeit abhängig. Das Ellipsoid bleibt mit dem Körper ausgerichtet. Die sechs unabhängigen Komponenten des Trägheitstensors entsprechen den drei Hauptträgheitsmomenten und der Orientierung der Hauptträgheitsachsen, also der Form und Ausrichtung des Ellipsoids.
Mit dem Trägheitstensor berechnen sich die Trägheitsmomente J bezüglich einer beliebigen Drehachse durch das Ellipsoidzentrum in Richtung des Einheitsvektors
Die Drehachse schneidet das Ellipsoid also im Abstand
Die Hauptträgheitsmomente Θ1,2,3 erfüllen die Dreiecksungleichungen. Damit ein Ellipsoid mit den Achsen a, b und c als Trägheitsellipsoid herhalten kann, muss sich also aus Seiten der Längen 1/a², 1/b² und 1/c² ein Dreieck formen lassen.
Die Länge der Halbachsen des Trägheitsellipsoids sind umgekehrt proportional zur Wurzel aus den Hauptträgheitsmomenten. Anschaulich entspricht ein langgestrecktes Trägheitsellipsoid einem gestauchten Körper und ein gestauchtes Trägheitsellipsoid einem langgestreckten Körper. Bei homogener Dichteverteilung und Drehung um den Massenmittelpunkt gilt:
Bei inhomogener Dichteverteilung kann von der äußeren Form nicht ohne weiteres auf die Form des Trägheitsellipsoids geschlossen werden.
Bei gegebener Rotationsenergie
(
Die quadratische Form in einem kartesischen Koordinatensystem mit x-, y- und z-Achsen komponentenweise ausgeschrieben lautet
Bei gegebener Rotationsenergie Erot weist die Winkelgeschwindigkeit vom Ellipsoidzentrum (=Ursprung) auf einen Punkt des Energieellipsoids. Der Gradient der Fläche in diesem Punkt ist der Drehimpuls, was die Grundlage für die Poinsot’sche Konstruktion ist.
Denn ist eine Fläche wie hier durch
oder koordinatenfrei mit dem Gâteaux-Differential und der Fréchet-Ableitung[F 1]
aufgrund der Symmetrie des Trägheitstensors (das hochgestellte „T“ steht für die Transposition.)
Der Drehimpuls ist also parallel zur Normalen des Energiellipsoids in dem Punkt, an dem die Spitze des Winkelgeschwindigkeitsvektors das Ellipsoid berührt. Damit ist ersichtlich, dass
Mittels einer Hauptachsentransformation erhält man die Hauptträgheitsmomente Θ1,2,3 (Eigenwerte des Trägheitstensors) und die Hauptträgheitsachsen (Eigenvektoren). Die Rotationsenergie ergibt sich mit den Komponenten ω1,2,3 der Winkelgeschwindigkeit im Hauptträgheitssystem zu:
bzw. umgeformt
Aus der letzten Gleichung lassen sich die Halbachsen des Energieellipsoids direkt ablesen:
Die korrespondierenden Energie- und Trägheitsellipsoide haben die gleiche Orientierung im Raum, aber die Längen der Hauptachsen sind verschieden:
Das Energieellipsoid geht aus dem Trägheitsellipsoid durch eine Zentrische Streckung mit dem Faktor
Das Trägheitsmoment bezüglich einer beliebigen Drehachse
Im kräftefreien Fall sind der Drehimpuls und die Rotationsenergie konstant und wegen
Die Winkelgeschwindigkeiten, die alle dasselbe Drehimpulsbetragsquadrat
Das Drallellipsoid ist also schlanker als das Trägheitsellipsoid, siehe Abb. 1:
Die Winkelgeschwindigkeit liegt zu einem bestimmten Zeitpunkt sowohl auf diesem Ellipsoid als auch auf dem Energieellipsoid. Damit beide Ellipsoide gemeinsame Punkte haben können, muss zu jedem Zeitpunkt
sein, wenn wie üblich die Hauptträgheitsmomente gemäß Θ1 < Θ2 < Θ3 angeordnet sind.
Denn ein Punkt, der auf beiden Ellipsoiden liegt, muss die Bedingungen
erfüllen. In den letzten beiden Gleichungen sind alle Faktoren bis auf die Klammerausdrücke null oder positiv. Damit eine nicht-triviale Lösung existiert, darf deswegen in beiden Gleichungen der kleinste Klammerausdruck nicht positiv und der größte nicht negativ sein. Mit den angenommenen Größenverhältnissen der Hauptträgheitsmomente stellen dies die obigen Schranken für das Drehimpulsbetragsquadrat und die Rotationsenergie sicher. Dann sind die Rotationsenergie und der Drehimpulsbetrag mit einer Drehbewegung des betrachteten Körpers verträglich.
Bei gegebener Rotationsenergie hat eine Drehung um die Hauptträgheitsachse mit dem kleinsten Hauptträgheitsmoment den kleinsten und eine Drehung um die Hauptträgheitsachse mit dem größten Hauptträgheitsmoment den größten Drehimpulsbetrag.
Umgekehrt hat bei gegebenem Drehimpulsbetrag eine Drehung um die Hauptträgheitsachse mit dem kleinsten Hauptträgheitsmoment die größte und eine Drehung um die Hauptträgheitsachse mit dem größten Hauptträgheitsmoment die kleinste Rotationsenergie. Deswegen wird die Drehachse bei dissipativen Vorgängen (Luftwiderstand, Reibung) in Richtung der 3-Achse wandern.
Zu jedem starren Körper gibt es einen ellipsoidförmigen Körper wie in Abb. 4, das Massenellipsoid, das die gleichen Trägheitseigenschaften (Masse und Trägheitstensor) besitzt wie der Körper selbst. Das Massenellipsoid und das Trägheitsellipsoid haben gleiche Symmetrieachsen, sind sich aber ansonsten zumeist nicht ähnlich. Wenn sich nämlich die mittellangen Halbachsen nach geeigneter Skalierung decken, wird die größte Halbachse des Trägheitsellipsoids kleiner, die kleinste aber größer als die entsprechende des Massenellipsoids sein, siehe Abb. 1.[L 2]
Denn bei homogener Dichteverteilung hat ein ellipsoidförmiger Körper mit Masse m sowie den Halbachsen a, b und c in x-, y- bzw. z-Richtung die Hauptträgheitsmomente
oder bei gegebenen Hauptträgheitsmomenten die Halbachsen
Weil die Hauptträgheitsmomente die Dreiecksungleichungen erfüllen, besitzt jeder Körper ein Massenellipsoid. Anders als beim Trägheitsellipsoid können die Halbachsen des Massenellipsoids jedwedes Verhältnis zueinander aufweisen, brauchen also nicht die Dreiecksungleichungen zu erfüllen. Die Halbachsen des Trägheitsellipsoids verhalten sich wie
Wenn